Rezension: „Die Autobiographie der Zeit“ von Lilly Lindner

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Titel: Die Autobiographie der Zeit
Autor: Lilly Lindner
Verlag: Droemer Taschenbuch
Erschienen: 2016
Kosten: 14,99€
240 Seiten
ISBN: 978-3-426-30540-9

Darum geht es:

„Die Autobiographie der Zeit“ erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen vom Planeten Winter, die auserkoren wurden, auf die Erde zu kommen und dort eine der vier Mächte zu werden. Kevin – der Raum, David, die Beständigkeit und Shay, der Abgrund. Und dann gab es noch die namenlose Zeit. Genau diese Zeit erzählt uns über Jahrzehnte hinweg ihre Geschichte.
Die Zeit und ihre drei Begleiter begeben sich dabei wie normale Menschen unter die Erdlinge und berichten von der Schwierigkeit ihrer Aufgabe, der Grausamkeit unendlich zu sein und den tiefsten Abgründen der Menschheit.

Die Autorin:

Lilly Lindner kennen wahrscheinlich viele von ihrem autobiographischen Debüt ‚Splitterfasernackt‘. Für mich war dieses Buch das erste der Autorin, aber bereits der Klappentext reichte in diesem Fall aus, um zu erkennen, mit welcher unglaublichen Wortgewandtheit Lindner den Leser an sich fesselt.
Nachdem mich dieser Roman so begeisterte, habe ich mir gleich einige Leseproben ihrer anderen Bücher durchgelesen und war auch hier ausnahmslos begeistert. Allerdings werden Lindner-Kenner in diesem Buch schnell feststellen, dass der Schreibstil doch deutlich von dem ihrer anderen Bücher abweicht.

Illustrationen und Cover:

Ein richtiges Meisterwerk muss gar nicht mit dem ersten Wort beginnen. Manchmal reicht auch schon eine Illustratorin wie Lisa Wöhling, um den Leser von der ersten Sekunde nicht mehr loszulassen. Mit wunderschönen farbigen Zeichnungen voller Bedeutung schafft sie es, die zum Teil deprimierende Wahrheit der Worte zu durchbrechen und ihnen gleichzeitig noch viel mehr Bedeutung geben. Am liebsten hätte ich jedes Bild sofort an meine Zimmerwand gehängt.

Der Aufbau:

Lilly Lindner teilt ihr Buch in einen Prolog, drei Hauptteile und einen Epilog ein. Danach folgt eine Danksagung, die viel mehr noch einmal eine komplette Zusammenfassung des Buches in nur einem einzigen Text ist.
Die drei Hauptteile tragen die Namen „Der Anfang der Zeit“, „Der Ozean im Meer“ und „Das Ende der Zeit“. Jeder dieser Abschnitte besteht aus unterschiedlich vielen, teilweise nur einem Satz langen, Kapiteln.
Durch diese kurzen Kapitel lässt sich das Buch auch wahnsinnig schnell lesen und ist kürzer, als es auf den ersten Blick scheint.

Meine Meinung zum Buch:

„Der Mond erhängte sie an einem Stern, und alle dachten, es sei ein Naturphänomen. Dabei war er einfach nur traurig.“
(S.140)

Okay, also wer es bis hierhin noch nicht gemerkt hat: Ich bin begeistert! Sprachlos und gefesselt von dieser brutalen Ehrlichkeit und dieser unglaublichen Kenntnis vom Wesen der Menschen, mit der Lindner ihr Buch verfasst hat. Wer sich hier die Zeit nimmt, zwischen den Zeilen und hinter den Zeilen und vielleicht auch in sich selbst zu lesen, den erwartet ein literarisches Meisterwerk. Poetisch und gleichzeitig grundehrlich.
Das Buch bildet eine endlos lange Zeitperiode ab, ohne dabei unübersichtlich zu werden. Immer wieder scheinen unerwartete Ereignisse und Charaktere die Geschichte der Zeit völlig zu verändern und so habe ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollen (zugegeben, ich habe das Buch auch nicht aus der Hand gelegt, sonder vielmehr in gerade mal zwei Stunden verschlungen.. ). Durch die Erzählungen der Zeit lernen wir nicht nur die Zeit selber, sonder auch ihre drei Begleiter besser kennen. Sie alle haben mit ihrem ganz eigenen Schicksal und der übertragenden Aufgabe zu kämpfen. Und umso mehr sie über uns – die Menschheit – erfahren, umso mehr scheint es sie zu verändern und bringt sie immer weiter weg, von dem Persönlichkeiten, die sie einmal gewesen waren – damals auf Winter.
Und auch eine andere, dem Menschen nicht ganz unbekannte Persönlichkeit, tritt auf den Plan und so verspricht dieses Buch zu keiner Zeit langweilig oder eintönig zu werden.


Mein Fazit:

Ich habe seit langem kein solches Buch mehr in den Händen gehalten. „Die Autobiographie der Zeit“ macht wütend und traurig, lässt wissend mit dem Kopf nicken. Sie macht betroffen und gibt Hoffnung. Denn egal was passiert, egal wer wir heute sind oder noch sein werden..
Irgendwann kommt eine neue Zeit.

Ganz klare
5 von 5 Sternen

 

„Aus Krieg wurde Frieden. Aus Frieden wurde Politik. Aus Politik wurde Macht. Aus Macht wurde Neid. Aus Neid wurde Hass. Aus Hass wurde Liebe. Aus Liebe wurde der nächste Krieg begonnen.“ (S. 102)
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