Rezension: „Die Ungehörigkeit des Glücks“ von Jenny Downham

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Titel: Die Ungehörigkeit des Glücks I Autorin: Jenny Downham I Verlag: C.Bertelsmann
Erschienen: 2016 I Preis: 19,99 (Hardcover) I Seiten: 480
ISBN: 978-3-570-10292-3

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Die 17-jährige Katie, ihr 10-jähriger Bruder Chris und ihre Mum leben gemeinsam in einer kleinen Wohnung, die sie nach der Trennung der Eltern bezogen haben. Normalerweise folgt ihr Alltag einem ganz klar strukturiertem Plan – normalerweise. Denn eines Tages klingelt das Telefon. Am anderen Ende das Krankenhaus. Hier war kurz zuvor der Lebensgefährte von Katies Großmutter verstorben. Und nun steht ausgerechnet Katies Mutter als Kontaktperson in den Unterlagen des Krankenhauses und diese soll nun die Aufsicht für ihre an Demenz erkrankte Mutter übernehmen. Ihre Mutter, zu der sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hatte, die sie nicht einmal selber großgezogen hatte.

„Als ob ein Alien gelandet wäre. Echt, es war derart merkwürdig. Wie wenn ein uraltes Wesen von einem anderen Planeten mitten in Katies Leben aufgeschlagen wäre.“
(S. 9)

Zu Beginn scheint das Chaos perfekt und keins der Familienmitglieder kann sich mit der neuen Situation so recht anfreunden. Denn Katies Großmutter Mary ist so schwer dement, dass alleine wohnen unmöglich ist und sie vorübergehend bei der Familie einzieht. Mary läuft Tag für Tag davon und scheint nach einem ganz bestimmten Ort zu suchen und alle sind mit der Situation überfordert. Dann nimmt sich Katie jedoch ihrer Großmutter an. Folgt ihr auf der Suche nach diesem ganz bestimmten Ort und beginnt die Lebensgeschichte ihrer Großmutter in einem Buch aufzuschreiben.
Langsam finden Enkelin und Großmutter zusammen und auch der Rest der Familie findet wieder mehr zueinander.

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Ich war sehr gespannt auf dieses Buch. Mit „Bevor ich sterbe“ hatte Jenny Downham schon einmal begeistert und hatte es geschafft, ein wirklich bedrückendes Thema mit viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität darzustellen. Diesmal nahm sie sich dem Thema Demenz an und der Problematik einen Dementen in die Familie zu integrieren.
Schnell war ich jedoch ziemlich ernüchtert. Das Buch war vollgepackt von problematischen Situationen. Demenz, eine zerrüttete Familie, ein alter Konflikt, eine Entwicklungsstörung, ein wenig geglücktes Coming-Out..
Die Themen wurden einem gleich zu Beginn der Geschichte geradezu um die Ohren gepfeffert. Und das wenig einfühlsam.

Da blieb es nicht aus, das einige Themen einfach zu schnell abgehakt waren oder gar nicht wirklich weiter verfolgt wurden. Das hinterließ oft einen fahlen Nachgeschmack. Die Situation war irgendwie ungeklärt.

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Wenigstens die Hauptthematik des Romans – die Demenz der Großmutter – wurde in aller Ausführlichkeit besprochen. Die Autorin schaffte es gut, den inneren Kampf und die Verzweiflung zu beschreiben, mit der Mary zu kämpfen hat. Mehr als einmal weiß die alte Dame nicht einmal mehr, wer die Leute sind, mit denen sie gemeinsam wohnt. Immer wieder werden in kurzen Zwischensequenzen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit beschrieben, was Marys Äußerungen für den Leser verständlicher machen.
All das scheint sich allerdings ewig hinzuziehen. Gefühlt bestehen die ersten 200 Seiten nur aus Spaziergängen und Café Besuchen, in denen die Großmutter ihre Geschichte erzählt. Es dauert lange, bis das Buch Fahrt aufnimmt. Für mich zu lange.

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Nach „Bevor ich sterbe“ hatte ich wirklich hohe Erwartungen an dieses Buch, die es leider nicht erfüllen konnte. An ihren Bestseller kommt dieser Roman nicht heran. Über lange Strecken passierte gefühlt gar nichts und mit wurde beim Lesen schnell langweilig. Alles in Allem ist „Die Ungehörigkeit des Glücks“ allerdings kein schlechtes Buch. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und vielschichtig. Sie machen zum Teil sehr erstaunliche Entwicklungen im Laufe der Geschichte. Das schwierige Thema Demenz konnte Jenny Downham gut darstellen.
Wer einmal einen Blick in die Gedankenwelt eines Dementen werfen möchte, für den ist dieses Buch wirklich zu empfehlen.


„Die Ungehörigkeit des Glücks“ von Jenny Downham wurde mir vom Bloggerportal und dem C.Bertelsmann Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
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